Archiv für den Monat: April 2017

Der verflixte (gelbe) Cardigan

Bei der Aktion 12 Colours of Handmade Fashion im April organisiert von der lieben Selmin von Tweed & Greet geht es um die Farbe Gelb.

Bevor ich auf mein Nähprojekt eingehe, ein paar Gedanken zur Farbe Gelb in meinem Kleiderschrank. Ich habe gelb an sich schon vor ewigen Jahren (es muss irgendwann im frühen Teenageralter gewesen sein), aus meinem Kleiderschrank verbannt. Steht mir nicht, hatte ich festgestellt. Es zog dann noch mal ein hellgelbes T-Shirt bei mir ein, dass seine Daseins-Berechtigung nur durch einen enorm süßen Print auf der Vorderseite bekam, aber alles in allem war meine Meinung: Steht mir nicht, wem steht schon gelb? Damals hatte ich noch nie etwas von Farbtypen gehört, deswegen reichte mir diese Erkenntnis und ich stellte sie nicht in Frage. Ein paar Jahre später kam eine Zeit, da war die Farbe curry bzw. senfgelb in Mode. Es gab unglaublich viele senffarbene Strickjäckchen und ich fand das sehr hübsch. Habe ich damals aber nicht gekauft, denn ich war ja überzeugt, dass ich damit grässlich aussehen würde. Die waren ja gelb. Wieder ein paar Jahre später machte ich eine Farbberatung und fand raus, dass ich ein Herbsttyp bin. Das bedeutete dann tatsächlich: Mir steht Gelb! Es muss halt das richtige Gelb sein. Die Farbe senf bzw. curry: Läuft! Ich bestellte darauf im Überschwang direkt ein paar Jerseys und Interlocks um meine Garderobe herbstlich aufzuwerten. Aber der schöne gelbe Interlock blieb im Schrank. Zu tief schien die Abneigung/Abwehrhaltung gegenüber gelb zu sitzen. Ich wagte mich erstmal an die sicheren Farben: dunkelrot, lila, petrol. Die gab es schon vorher im Schrank, damit war ich safe. Aber dank Selmin habe ich mich getraut: Ich besitze jetzt einen gelben Cardigan. Ich glaube, gekauft habe ich die Farbe als Curry, aber meist ist das dann eher so ein leicht schmutziges gedämpftes Gelb. Dies hier ist eher leuchtend, so wie pures Kurkuma. Passt aber trotzdem in mein herbstliches Farbschema. Soweit, sogut, Danke an Selmin für den Anstoß!

ABER ich war selten so unzufrieden mit etwas das ich genäht habe. Keineswegs wegen der Farbe! Ich finde sie steht mir gut, aber… Na ja, seht selbst. Es ist der Cardigan Faye aus der La Maison Victor (Ausgabe 2, März/April 2016). Das ist jetzt schon die fertige Version nach etlichen Anpassungen (siehe weiter unten). Davon abgesehen, dass die Knopfleiste unten gerne zur einen Seite verrutscht (eigentlich ist sie schön gerade, ich weiß nicht genau warum), macht mich das Jäckchen echt dick bzw. ich finde es macht mir sowas wie einen A- bzw. Birnen-Figurtyp, dabei bin ich das nicht. Ich bin eher ein H-Typ. Egal, so gefällt es mir auf jeden Fall nicht. Vielleicht offen getragen?Hmm, weiß nicht. Auch nicht besser. Aber wie kam es denn jetzt zu dem Drama? Ich weiß nicht genau warum, aber weil ich in meinem Kopf bis jetzt gute Erfahrungen mit den La Maison Victor-Größen gemacht hatte, traute ich den Größenangaben und pauste eine Gr. 40 ab. In den Schultern verschmälert auf eine 38, weil sich das im letzten Jahr fast immer als gute Idee erwiesen hat. Schauen wir nun nicht auf meine gefühlte, sondern die wirkliche Erfahrung mit den La Maison Victor-Größen: ein Jeansrock (passte gut, aber es ist kein Oberteil, sagt also nichts aus für einen Cardigan), ein Mantel (sollte Oversize sein, sieht an mir aus wie ein Sack, schob ich im Kopf darauf, dass Oversize halt nichts für mich ist). Also, klassischer Selbstbetrug. Ich ging aber fleißig ans Werk, schnitt zu, begann zu nähen. Habe nicht nochmal am Kleidungsstück nachgemessen und mich 1 zu 1 an die Anleitung gehalten, also am Halsausschnitt nach der Schrägbandverarbeitung beherzt die Nahtzugabe gekürzt. Erste Anprobe: Katastrophe!

Ihr seht es links (noch ohne Bündchen und Knopflöcher): Es war ein unförmiger Sack! Meine Puppe hat eine Kleidergröße weniger als ich, deswegen an der Puppe noch etwas schlimmer. Vergleicht man die Bilder in der Zeitschrift: Ja, leger war sie auch hier, die Faye, aber nicht so! Ich habe so gut es geht enger gemacht und dabei an den Seiten bis zu 2 cm rausgenommen. Das sind 8 cm Umfang! Die Ärmel musste ich um lockere 9 cm kürzen. Das nächste Problem: der Ausschnitt. Hier sollte der dehnbare Stoff (in der Zeitschrift leichter Strickstoff) mit einem Schrägband verstürzt werden. Gesagt, getan.

Es stand furchtbar ab. Ich weiß auch nicht, ob mir die Verarbeitung überhaupt so zusagt. Ein Beleg wäre doch sicher eine bessere Lösung… Naja, an meiner Erna sieht es nicht ganz so gravierend aus, wie an mir. Da ich die Nahtzugabe schon so schön zurückgeschnitten hatte, war der Rettungsversuch eine Friemelei. Ich schaffte es mit Mühe und Not per Hand das Ganze an der vorderen Naht etwas einzuhalten, sodass es nicht mehr so ganz doll absteht. Puh! Alles in allem habe ich mich hier nicht mit Ruhm bekleckert. Für das braune Schrägband hätte ich als Unterfaden ruhig auch braun nehmen können, damit es von innen netter aussieht. Und die Knopflöcher waren ein eigenes Drama für sich. Beim Original waren annähbare Druckknöpfe vorgesehen. Das gefiel mir nicht, besser richtige Knöpfe dachte ich. Einige Knopflöcher nähte ich 4 Mal. Ich dachte das Ripsband würde es stabil genug machen, damit das gut ginge. Das war aber so schmal, dass ich unter meinem automatischen Knopflochfuß kaum etwas sah, von wegen gerade nähen und so. Und die vielen Stofflagen am unteren Bündchen brachten die Automatik durcheinander. Und auch hier, hätte ich von innen auf beige umsteigen können. Zu den Knöpfen: Es sind geerbte Perlmutt-Knöpfe. Mein Bruder sagt, es gibt gutes Retro und schlechtes Retro. Das sei schlechtes Retro… Puh…

Wenn etwas Gras über die Sache gewachsen ist, setze ich mich vielleicht nochmal hin und versuche die Paßform noch ein bisschen besser zu machen. Aber noch nicht jetzt. Jetzt bin ich noch zu sehr frustriert.

Schuld an dem Dilemma bin vor allem ich selbst. Aber dem Schnitt gebe ich auch keine weitere Chance. Ich weiß, was ich jetzt ändern müsste, aber das ist so viel, dass es mir einfacher erscheint mir einen anderen zu suchen. Doch ich trauere meinem schönen Stoff nach… Diese Farbe kriegt man leider nicht so einfach. Wie oben schön erwähnt, was als senffarben bezeichnet ist, hat oft so einen gedämpften, schlammigen Unterton und ist nicht so schön leuchtend wie dieser Stoff. Ich hoffe, ich finde bald nochmal etwas ähnliches. Jetzt wo ich gerade herausgefunden habe, dass ich die Farbe für mich so mag.

Entschuldigt, meinen ewig langen Post. Aber dieses gelbe Projekt war ein sehr emotionales… Was die anderen zur Farbe Gelb bei den 12 Colours of Handmade Fashion beizutragen haben, sammelt Selmin hier. Nochmal danke für diese schöne Aktion!

Alles Liebe,

Kathrin

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